Gebrauchs- und Reklamegrafik

Fachzeitschriften der 1910er bis 1940er Jahre – International Advertising Art
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Gebrauchsgraphorismen

Eine Auswahl von Julius Steiners "Einfällen"

Lieber das Plakat an der Säule als das Gemälde auf dem Dachboden.

Wer den Rosen nicht ehrt, ist des Bernhard nicht wert.

Ist die Architektur 'gefrorene Musik', so muss ein Messestand ein gefrorener Schlager sein.

Die Karikatur ist der Pessimist unten der bildenden Künstlern.

Der Plakatkünstler ist der Feuilletonist der bildenden Kunst.

Ein effektvolles Plakat an der Säule macht unsterblich-: für 24 Stunden!

Es ist ein Irrtum zu glauben, der Werbekünstler müsse die Gabe haben, das zu machen, was die große Menge bestrickt. In Wirklichkeit muss er nur das Talent besitzen, einen Einzigen - den gewöhnlich völlig kunstunverständigen Auftraggeber - bestricken, verblüffen, bezaubern und erschrecken zu können.
Das erklärt manchen Erfolg.

Die unheilvolle Geburt der Kunstausstellungen und Kunsthändler hat die 'Kunst auf Vorrat' - soll heißen: 'freie Kunst' - geschaffen. Früher war alle Kunst 'Gebrauchskunst', da jede künstlerische Prdoduktion an einen bestimmten Zweck gebunden und einen bestimmten Auftrag geknüpft war.

Es gibt zwei Arten von Reklamefachleuten: solche, die für sich und solche, die für andere Reklame machen können. Die Letzteren sind selten zu finden.


Das Urteil „sehr nett“ ist der Comparativ von „miserabel“.


Das schnellste Mittel, üble Nachrede über einen Kollegen zu verbreiten, ist auch im Zeitalter des Radios noch die „streng vertrauliche Mitteilung“.


Eine werbegraphische Arbeit sagt in vielen Fällen mehr von dem Auftraggeber als von dem Künstler aus.

Genug des Unfugs mit dem Worte „Qualität“! Alle Künstler liefern doch Arbeiten von Qualität. (Die einen von guter, die anderen von schlechter.)

Die Berliner Gebrauchsgraphiker werden von den Kollegen aus der Provinz „Schwerverdiener“ genannt. Der Name ist zutreffend. Man verdient hier wirklich schwer.

Auch mit einer ganz schlechten Arbeit hat man Chance, preisgekrönt zu werden; wenn nämlich die anderen Arbeiten noch schlechter sind.


Glück haben heißt: im rechten Augenblicke dabei sein.

Die Bescheidenheit des berühmten Künstlers und die Unbescheidenheit des unbekannten Anfängers sind beides Mittel zu gleichem Zweck.
Der Berühmte würde durch die Unbescheidenheit nur den stillen Neid und Hass der Anderen entfachen. Der Unbekannte wieder würde such durch Bescheidenheit selbst das Grab schaufeln, denn die Menge würde sofort sagen: Was für ein Nichts muss dieser Mann sein, wenn er selbst nicht einmal von sich durchdrungen ist!

Werbekünstler und Reklamefachleute sind miteinander in Ehe verbunden. Daher liegen sich so oft in den Haaren.

Sage mir, wer dein Drucker ist, und ich will dir sagen, was du ihm schuldig bist.

Quelle:

Die Gebrauchsgraphik. Monatsschrift zur Förderung künstlerischer Reklame, Heft 5, 3. Jahrgang (1926), S. 15-16 und Heft 2, 4. Jahrgang (1927) S. 71-72